Kolumbien

„NO“ zum Friedensabkommen in Kolumbien

kolumbien Bogota südamerikaAm Sonntag, den 02. Oktober hat in Kolumbien eine Volksabstimmung über den zwischen den FARC Rebellen und der Regierung ausgehandelten Friedensvertrag stattgefunden. Auf die Frage: ¿Apoya el acuerdo final para la terminación del conflicto y construcción de una paz estable y duradera? (Übersetzt etwa: Unterstützen Sie den Vertrag zur Beendigung des Konfliktes und für den Aufbau eines stabilen und andauernden Friedens?), hat das „NO“ Lager knapp mit 50,21 Prozent überraschend gewonnen. Zuvor wurde in Umfragen eine Zweidrittelmehrheit des “SI” Lagers vorrausgesagt.

Noch am selben Abend haben sowohl Präsident Juan Manuel Santos, als auch die Sprecher der FARC mitgeteilt, dass an der Waffenruhe festgehalten wird. Der Guerrilla Anführer Timochenko bekannte sich auch nach der Abstimmung zu dem Friedensvertrag mit den Worten: „Es bleibt dabei. Worte werden künftig unsere einzige Waffe sein“.

Am 03. Oktober haben sich alle politischen Kräfte des Landes zu Gesprächen zusammengefunden, um weitere Schritte zu besprechen. Im Grunde sind sich alle darüber einig, dass es einen Friedensvertrag geben soll. Uneinigkeit besteht über einzelne Punkte im knapp 300 seitigen Vertragswerk, vor allem über das Ausmaß der Straffreiheit für ehemalige Guerrillakämpfer und die politische Eingliederung der FARC in die Gesellschaft.

Die Sicherheitsheitslage ist im Land unverändert, da der Waffenstillstand anhält und auch in Zukunft anhalten soll. Alle politischen Strömungen im Land und auch die FARC selbst wollen am Friedensvorhaben festhalten. Es gibt keinerlei Nachrichten über Unruhen im Land aufgrund der  Abstimmung.

Unsere Agentur Neptuno informiert über die Hintergründe direkt aus Südamerika:
„Am 26. September 2016 hat die kolumbianische Regierung unter Juan Manual Santos und die linksgerichtete FARC mit der Unterschrift des Friedensabkommens in Cartagena den 52 Jahre andauernden innerstaatlichen Konflikt beendet. Im Jahr 2012 startete Santos überraschend die Friedensverhandlungen und vor wenigen Monaten einigten sich beide Parteien auf einen definitiven Waffenstillstand. Einige unseres Neptuno-Teams erlebten auf dem Hauptplatz Bogotas, dem Plaza Bolivar, den Festakt der Unterzeichnung und die anschliessenden Ansprachen von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, FARC Chef Timochenko und Präsident Santos auf Großleinwänden. Der wahrscheinlich emotionalste Moment für viele Kolumbianer war wohl, als der FARC-Chef offiziell die kolumbianische Bevölkerung um Verzeihung bat für den Schmerz, den die FARC der Bevölkerung angetan hat. Der seit 1964 andauernde Konflikt forderte etwa 200.000 Menschenleben und machte mehr als 4 Mio. Menschen zu Vertriebenen im eigenen Land.“