Lateinamerika-Blog by Miller Reisen

Capoeira auf den Straßen von Salvador da Bahia

Ein Land wie ein Kontinent, geprägt durch die Überlagerung dreier sehr unterschiedlicher Kulturkreise und die daraus resultierende Bandbreite an musikalischer Vielfalt in einem schillernd rhythmischen Kaleidoskop – Brasilien!
Musik und Lebensfreude verschmelzen miteinander und versüßen eines jeden Alltag. Der Ursprung der brasilianischen Musik des 20. Jahrhunderts liegt sicherlich in der Region Bahia im Nordosten von Brasilien, dem Schmelztiegel der afro-brasilianischen Kultur. Hier vermischten sich vor geraumer Zeit die iberische Musiktradition der früheren portugiesischen Kolonialherren mit der Barockmusik der Jesuiten und den traditionellen Klängen der im 17. Jahrhundert nach Brasilien verschleppten Afrikaner. Daraus entstanden auch die heute weltberühmten Sambarhythem sowie weitere Variationen wie Choro, Chula, Forro oder auch der anmutige Kampftanz Capoeira. Capoeira wurde von afrikanischen Leibeigenen während ihrer Sklavenzeit entwickelt. Bei den im ersten Augenschein friedlich wirkenden Tänzen, handelte es sich in Wirklichkeit um eine ausgefeilte Verteidigungstechnik, die mit musikalischer Untermalung vor den misstrauischen Blicken der Plantagenbesitzer getarnt wurde. Später wurde die Gefährlichkeit erkannt und die Ausübung von Capoeira sogar kurzzeitig verboten. Heute ist Capoeira weltweit verbreitet und speziell aus dem ohnehin lebendigen Straßenbild von Salvador da Bahia kaum wegzudenken. Dunkle, immer schneller werdende Trommelschläge, das Schellen des Tambourins und die Klänge des Musikbogen Berimbau begleiten das bunte Treiben, wenn sich die Teilnehmer in der so genannten „Roda“ (portugiesisch für Kreis, Runde) duellieren. Es treten immer zwei Personen gegeneinander an, die auf spielerische Art und Weise miteinander kämpfen und dies ohne sich dabei zu berühren. Es geht um ein synchronisiertes Agieren, von Angriff und Abwehr die tänzerisch akrobatisch gemeistert werden. Ein fesselndes Schauspiel das jeden in seinen Bann zieht und zum Mitmachen einlädt. Ob bei Sonnenuntergang am Stadtstrand oder im historischen Zentrum Salvadors, dem Pelourinho-Viertel, es macht Spaß sich von den geschmeidigen Bewegungen der Tänzer verzaubern zu lassen.

Meine Brasilien Reise

salvador-stadt1Am 18.03.09 ging es mit der Condor von Frankfurt nach Salvador da Bahia. Nach der Ankunft ging es in das ca. 2 Stunden entfernte Praia do Forte. Ein kleines Örtchen mit Charme nördlich von Salvador da Bahia. Ein typischer, farbenprächtiger Ort an dem man sich ein paar Tage erholen kann. Die Pousada Porto da Lua, ist klein aber fein und passt wunderbar in das Landschaftsbild. Das Frühstück in dieser Pousada muss besonders gelobt werden. Auch die Schildkröten Station, die nur wenige 100 Meter ist, ist sehr schön anzusehen.

praia-do-forte-porto-da-luaWeiter führte mich die Reise in die Stadt Salvador da Bahia. Ich wohnte direkt in der Altstadt in der Pousada Solar Dos Deuses. Wunderschöne mit viel Flair eingerichtete Zimmer sprechen für dieses Haus. Man sollte jedoch das Leben einer Stadt gewohnt sein, denn hier ist täglich etwas geboten und dies hört man auch im Hotel. Die Stadt bietet jeden Tag etwas neues , ob historisch oder landschaftlich, hier wurde es mir nie langweilig.

Mit dem Catamaran fuhr ich weiter nach Moro de Sao Paulo. Eine kleine Insel südlich von Salvador da Bahia. Ich war sehr erstaunt, wie sich nach einer so kurzen Distanz die Landschaft so ändern kann. Die Insel ist von Palmenwäldern geprägt und der Strand mit zahlreichen Bars und Restaurants ließen bei mir keine Wünsche offen. Ich wohnte in der Pousada Catavento. Diese ist direkt an einem wunderschönen Strand und die Anlage an sich auch sehr schön und gepflegt. Was leider nicht in allen Zimmern der Fall ist. Der einzige Nachteil für mich war, dass diese Pousada sehr abseits liegt und ich am Abend lieber im Ort Morro war.

marau-strandNach drei Tagen ging es dann auch schon zum letzten Punkt meiner Reise zur Peninsula de Marau. Hier gab es für mich Erholung pur. Eine wunderschöne Pousada mit viel Flair, gutem Essen und einem Klasse Team. Palmen und Strände wohin das Auge reicht und halbinsel-marautäglich das Angebot weiter Schönheiten der Halbinsel kennenzulernen. Wie ein Wasserfall der aus dem Amazonas kommt und in das Meer fließt oder ein Riff zum tauchen und schnorcheln. Der Aufenthalt in der Pousada Lagoa do Cassange war rund um gelungen.

Leider ging es dann auch schon wieder zurück nach Salvador da Bahia von wo ich zurück nach Deutschland geflogen bin.

Karneval in Brasilien

Rechtzeitig zu unserem Weiber-Fasching heute hier in Deutschland eine kleine Geschichte und Informationen zum Karneval in Brasilien / Rio  – der größten Party der Welt.

Karneval RioDie kleine Büglerin aus der Favela wird für eine Nacht zur Königin ihrer „escola”, der arbeitslose Analphabet zum Haupttrommler, ohne den nichts geht: Das ist Karneval, das Wahnsinnsfest, das (fast) alle Brasilianer zu verschmelzen scheint, die Weißen aus den feinen Villenvierteln und die Schwarzen aus den Slums, die Polizisten und die Diebe, die Prostituierten und die höheren Damen der Gesellschaft. Vier Tage lang wirkt besonders Rio trunken vor Lebenslust, aufgelöst in einem Rausch aus Sambarhythmen, Tanz und dem hypnotisierenden Dauerton der „baterias”, der Perkussionsinstrumente. 

Auch in Salvador da Bahia ziehen die prunkvollen Festzüge durch die Stadt, bis in die Morgenstunden von lärmenden Menschenmassen begleitet. Zwischen den „Trio Electricos”, den überverstärkten Musikgruppen auf ihren Lastwagen, mischen sich die gedämpft betörenden Afoxé-Gruppen, die es nur in Bahia gibt.

In den Dörfern von Bahia kann man heute noch Hunderte vermummter Gestalten umherlaufen und symbolisch auf Passanten einschlagen sehen: ein Überbleibsel aus Kolonialzeiten, als die Sklaven sich einmal im Jahr nach Herzenslust austoben und frei fühlen durften, aber stumm und wohl zur eigenen Sicherheit vermummt.

In Pernambuco ist der Straßenkarneval nicht von den Rhythmen des Sambas, sondern des Frevos erfüllt. Mit bunten Schirmen in der Hand ziehen Tänzer in schnellen, fast akrobatischen Sprüngen und choreographisch genau einstudierten Bewegungen durch die Städte.

In Recife zeigen sich die Maracatu-Gruppen mit üppig geschmückten Masken und eigener Königin hoch unter einem Baldachin. Jede dieser Gruppen vertritt ein afrikanisches Land – auch hier ein geschichtlicher Rückgriff.

Für die Touristen ist der Karneval in Brasilien eine der beeindruckenden, vielleicht auch aufregendsten Shows der Welt. Wenige ahnen, was da an ununterbrochenemKarneval Rio Einsatz dahinter steht. Schon im August müssen die einzelnen Sambaschulen ihr Motto für den Umzug festgelegt haben. Das Thema ist immer ganz und gar brasilianisch – und wird auf dem Motivwagen von Sängern und Tänzern vorgetragen. Ab Oktober sind die Proben meist voll im Gange: Komponisten, Musiker, Liedertexter, Tanzgruppen, Designer, Choreographen und nicht zuletzt die Näherinnen, die teilweise bis zu 4000 Mitglieder einer Schule in Glitzerkostüme einkleiden müssen, sie alle arbeiten wie die Besessenen.

Spätestens zu Weihnachten müssen die Schlager für den Karneval aus Millionen Radios ertönen, damit die Menschenmassen sie kennen und mitsingen können. Die Favelas sind die Seele des Karnevals, doch, seit 1984 die Paraden nun im eigens dafür erbauten Sambódromo stattfinden, sucht man den ursprünglichen Straßenkarneval in Rio vergeblich. Nur Touristen und betuchte Brasilianer können sich die Eintrittskarten leisten.

Im Gegenzug dazu findet man in Salvador da Bahia einen sehr ausgeprägten Straßenkarneval, bei dem sogar die eigene Teilnahme, auch als Tourist, ein Leichtes ist. Mit dem Erwerb eines so genannten Abadá, einer legeren Kostümierung, bestehend aus Turnhose und bunt bedrucktem T-Shirt und zwei großen Pompons, kann man selbst an der rauschenden Parade mitmachen und sich von der Musik und dem Tanz hinreißen lassen.

Ein Geheimtipp ist die Kolonialstadt Ouro Preto in Minas Gerais, die eine eigene Karnevalshochburg ist. Touristen und Einwohner amüsieren sich auf den Straßen mit Musik kleiner Kappellen und Studentenbands. Aufgrund der Universität gibt es hier viele Studentenwohnheime. Die Zimmer werden zur Karnevalszeit von den Studenten selbst zum vermieten angeboten.

Insgesamt sind brasilianische Karnevalstage ein Fest unter liebenswerten, gastfreundlichen Menschen die sich auf Ihren Besuch freuen und Sie mit in diesen Strudel von Musik und Tanz einbeziehen.