Lateinamerika-Blog by Miller Reisen

Karneval auf Trinidad & Tobago

Pulsierende Rhythmen, bunte Kostüme und überall karibische Lebensfreude. Anders als in Deutschland bereitet man sich derzeit auf den Karibikinseln Trinidad & Tobago nicht im Wintermantel und Schal auf den bevorstehenden Karneval vor. Die Feierlichkeiten werden dort alljährlich von Sonne, Calypso und Meeresrauschen begleitet.

Obwohl sich auf Trinidad & Tobago der eigentliche Karneval auf den Rosenmontag (den sogenannten J´Ouvert) und besonders den Faschingsdienstag beschränkt, leiten schon am Wochenende unzählige Soca- und Calypso-Bands den Auftakt ein.

Der eigentliche Karneval beginnt am Montag um 4 Uhr morgens. Zunächst wird sich hierfür noch eher düster verkleidet und angemalt, um böse Geister und Dämonen zu vertreiben. Tagsüber werden die Kostüme dann deutlich farbenfroher und typische karibische Rhythmen ertönen auf den Straßen. Dennoch gilt auch dieser Tag noch als letztes „Warm-up“ für den Faschingsdienstag:

Pünktlich um 8 Uhr morgens geben sich tausende Maskierte auf die Straßen der Hauptstadt Port of Spain, aber auch in anderen Städten Trinidads und Tobagos wird ausgelassen gefeiert. Überall hört man die berühmten Steelbands, Limbo-Wettbewerbe können beobachtet werden und die extravagantesten Kostüme werden gewählt, bis die Musik spätestens am Wochenende leiser wird und die Straßen vom vielen Konfetti wieder befreit sind.

Auf den beiden Karibikinseln hat der Karneval jedoch andere Einflüsse als bei uns in Europa. Man sagt, die Franzosen hätten ihn im 18. Jahrhundert eingeführt, damals hätte es aber zunächst nur prunkvolle Bälle für die reichen Kolonialherren gegeben. Die zahlreichen afrikanischen Sklaven mussten zuhause bleiben, ließen es sich jedoch nicht nehmen, ihre eigenen Feste mit Musik, Tanz und Verkleidung zu feiern.

Erst als die Sklaverei im 19. Jahrhundert abgeschafft wurde, verlagerten die Afrikaner den Karneval auf die Straßen, wo man heute Musik, kulinarische Köstlichkeiten und Traditionen der verschiedensten Ethnien genießen kann.

Während sich nun die Einwohner sowie viele glückliche Urlauber auf ein farbenfrohes Fest im Inselstaat Trinidad & Tobago freuen, blicke ich aus meinem Bürofenster in den scheinbar nie tauenden Schnee Deutschlands! Helau, helau…

Boi Bumba Festival in Parintins, Brasilien / am Ufer des Amazonas

Jährlich findet in der letzten Juniwoche das Boi Bumba Festival in Parintins in Brasilien statt. Parintins liegt am rechten Ufer des Rio Amazonas auf der Insel „Tupinambarana”, eine 420 km lange Reise auf dem Amazonas von Manaus entfernt.

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Das Fest hat seinen Ursprung in der Kultur der lokalen Indianer. Dieses Fest ist, nach dem Karneval in Rio de Janeiro, eines der bedeutendsten Volksfeste Brasiliens.

Bei diesem eindrucksvollen und spektakulären Fest geht es darum welches Team (Bumba) die Leute am meisten beeindruckt.

Die Teams bestehen aus den „Blauen” und aus den „Roten”. Zur farblichen Abgrenzung der Teams wird vor nichts zurückgeschreckt. Es wird alles in Rot bzw. Blau gehalten. Selbst die Wände der Häuser werden in der entsprechenden Farbe gestrichen. Die Leute tragen alles in „ihrer” Farbe. Von der Kleidung über den Lippenstift bis zum Nagellack alles wird in der Farbe des bevorzugten Teams getragen. 

Die ganze letzte Juniwoche werden verschiedene Manifeste der amazonensischen Folklore vorgetragen. Jedoch sind die letzten Tage die interessantesten, denn da richtet sich die ganze Aufmerksamkeit auf die Vorstellung der „Bumbas”.

An die 10.000 Darsteller tanzen im Kulturzentrum von Parintins zum ohrenbetäubenden Sound aller anwesenden Percussions-Instrumenten. Außerdem entwickeln die Teams jedes Jahr traumhafte Riesenfiguren um die Zuschauermassen für sich zu gewinnen. Die Figuren sind allegorische Darstellungen aus der Kultur der Amazonasindianer und repräsentieren die zwei rivalisierenden Teams. 

Zum Schluss haben dann entweder die „Roten” oder die „Blauen” gewonnen. Dies entscheiden die Zuschauer, durch ihre Anfeuerungen und den Beifall. Das Siegerteam kann nun ein Jahr lang seinen Kopf höher tragen, bis dann, im nächsten Jahr, wieder Ende Juni die Zuschauer entscheiden.

Wollen auch Sie mit dabei sein, so rufen Sie mich einfach an oder kombinieren Sie einen Besuch von Parintins mit Ihrer Reise nach Brasilien. Es wird sich lohnen!

Karneval in Brasilien

Rechtzeitig zu unserem Weiber-Fasching heute hier in Deutschland eine kleine Geschichte und Informationen zum Karneval in Brasilien / Rio  – der größten Party der Welt.

Karneval RioDie kleine Büglerin aus der Favela wird für eine Nacht zur Königin ihrer „escola”, der arbeitslose Analphabet zum Haupttrommler, ohne den nichts geht: Das ist Karneval, das Wahnsinnsfest, das (fast) alle Brasilianer zu verschmelzen scheint, die Weißen aus den feinen Villenvierteln und die Schwarzen aus den Slums, die Polizisten und die Diebe, die Prostituierten und die höheren Damen der Gesellschaft. Vier Tage lang wirkt besonders Rio trunken vor Lebenslust, aufgelöst in einem Rausch aus Sambarhythmen, Tanz und dem hypnotisierenden Dauerton der „baterias”, der Perkussionsinstrumente. 

Auch in Salvador da Bahia ziehen die prunkvollen Festzüge durch die Stadt, bis in die Morgenstunden von lärmenden Menschenmassen begleitet. Zwischen den „Trio Electricos”, den überverstärkten Musikgruppen auf ihren Lastwagen, mischen sich die gedämpft betörenden Afoxé-Gruppen, die es nur in Bahia gibt.

In den Dörfern von Bahia kann man heute noch Hunderte vermummter Gestalten umherlaufen und symbolisch auf Passanten einschlagen sehen: ein Überbleibsel aus Kolonialzeiten, als die Sklaven sich einmal im Jahr nach Herzenslust austoben und frei fühlen durften, aber stumm und wohl zur eigenen Sicherheit vermummt.

In Pernambuco ist der Straßenkarneval nicht von den Rhythmen des Sambas, sondern des Frevos erfüllt. Mit bunten Schirmen in der Hand ziehen Tänzer in schnellen, fast akrobatischen Sprüngen und choreographisch genau einstudierten Bewegungen durch die Städte.

In Recife zeigen sich die Maracatu-Gruppen mit üppig geschmückten Masken und eigener Königin hoch unter einem Baldachin. Jede dieser Gruppen vertritt ein afrikanisches Land – auch hier ein geschichtlicher Rückgriff.

Für die Touristen ist der Karneval in Brasilien eine der beeindruckenden, vielleicht auch aufregendsten Shows der Welt. Wenige ahnen, was da an ununterbrochenemKarneval Rio Einsatz dahinter steht. Schon im August müssen die einzelnen Sambaschulen ihr Motto für den Umzug festgelegt haben. Das Thema ist immer ganz und gar brasilianisch – und wird auf dem Motivwagen von Sängern und Tänzern vorgetragen. Ab Oktober sind die Proben meist voll im Gange: Komponisten, Musiker, Liedertexter, Tanzgruppen, Designer, Choreographen und nicht zuletzt die Näherinnen, die teilweise bis zu 4000 Mitglieder einer Schule in Glitzerkostüme einkleiden müssen, sie alle arbeiten wie die Besessenen.

Spätestens zu Weihnachten müssen die Schlager für den Karneval aus Millionen Radios ertönen, damit die Menschenmassen sie kennen und mitsingen können. Die Favelas sind die Seele des Karnevals, doch, seit 1984 die Paraden nun im eigens dafür erbauten Sambódromo stattfinden, sucht man den ursprünglichen Straßenkarneval in Rio vergeblich. Nur Touristen und betuchte Brasilianer können sich die Eintrittskarten leisten.

Im Gegenzug dazu findet man in Salvador da Bahia einen sehr ausgeprägten Straßenkarneval, bei dem sogar die eigene Teilnahme, auch als Tourist, ein Leichtes ist. Mit dem Erwerb eines so genannten Abadá, einer legeren Kostümierung, bestehend aus Turnhose und bunt bedrucktem T-Shirt und zwei großen Pompons, kann man selbst an der rauschenden Parade mitmachen und sich von der Musik und dem Tanz hinreißen lassen.

Ein Geheimtipp ist die Kolonialstadt Ouro Preto in Minas Gerais, die eine eigene Karnevalshochburg ist. Touristen und Einwohner amüsieren sich auf den Straßen mit Musik kleiner Kappellen und Studentenbands. Aufgrund der Universität gibt es hier viele Studentenwohnheime. Die Zimmer werden zur Karnevalszeit von den Studenten selbst zum vermieten angeboten.

Insgesamt sind brasilianische Karnevalstage ein Fest unter liebenswerten, gastfreundlichen Menschen die sich auf Ihren Besuch freuen und Sie mit in diesen Strudel von Musik und Tanz einbeziehen.