Honduras Reisebericht/Fotos von Miller Reisen Kunden Mellmann
Unser Urlaub in Honduras vom 01.09. bis 16.09.2009
Diese unsere 13. Individualreise nach Lateinamerika führte uns nach Honduras. Es sollte wieder ein abwechslungsreiches Programm von totaler Entspannung und Eintauchen in das alltägliche Leben dieser wunderbar freundlichen Menschen werden. So hatten wir uns San Pedro Sula und Roatan ausgesucht. Auf Roatan Urlaub zu machen, das ist auch ohne Teilhabe am professionellen Tauchen einfach großartig. Schnorcheln in den vor gelagerten Korallengewässern bringt es auch. Daneben Kajak fahren, sich von total relaxtem Hotelpersonal verwöhnen lassen, viel schwimmen und endlich mal wieder ausgiebig lesen. Ein Muss ist das sich wenigstens in Ansätzen mögliche machende Kennenlernen von Leben, Musik, von Tänzen, Koch- und Handwerkskünsten und vom Eigenverständnis der Garifunas als Nachfahren afrikanischer Sklaven. Hier waren wir unter anderem in Punta Gorda. Die Sprache allein ist schon ein Ohrenschmaus. Sie vermittelt ein besonderes Lebensgefühl. Klar ist, dass die Garifunas um ihre angestammten Rechte streiten
müssen. Sie sind nicht genügend im Land vertreten. Grund und Boden gehören ihnen nur sehr eingeschränkt. Gern würde man auch Landwirtschaft betreiben. Was wir vor und nach Roatan in San Pedro Sula und Copan sahen war typisch für die gegenwärtige Tourismussituation auch auf dieser Karibikinsel. Es mangelte an Touristen aus dem Ausland. Wenn nicht regelmäßig Touristen aus den USA zumeist per Schiff hier angelandet worden wären, hätte sich das Bild vollkommen verstellt. Fast alles hier litt unter akuter Nichtauslastung der wahrhaft großen Kapazitäten an Hotels, Tauchbasen und Taxis. Wir haben in den gut 2 Wochen keine Deutschen getroffen. Und kaum andere Europäer. Auch nicht in San Pedro Sula und Copan. Natürlich waren wir noch nie vorher in ein Reiseland gefahren, in welchem die allgemeine Situation politisch so angespannt war. Deshalb waren unsere Reisevorbereitungen dieses Mal noch gründlicher ausgefallen. Dazu gehörten der wirklich gute Reiseführer von Hans-Gerd Spelleken, eine großmaßstäbliche Landkarte, ein Spanisch-Wörterbuch und zuvor regelmäßige Internetinformationen über unser
Urlaubsziel. Eine gewisse Professionalität stellt sich natürlich nach so vielen Reisen in diesen spanischsprechenden Raum ein. Die Basis ist natürlich die Kommunikation in der Landessprache, die das nötige Vertrauen schafft. Und dann ein Auge und Gespür dafür, wie das Leben so abläuft. So hatten wir gleich in San Pedro Sula schon, nachdem wir zum ersten Mal vom Hotel auf die Straße traten, das Gefühl, wieder da zu sein. Als wären gerade noch vor Kurzem im Ecuador und in Nicaragua gewesen. Die beiden großen Fußball-WM-Qualifikationsspiele gegen Trinidad & Tobago und gegen Mexico erlebten wir am Großbildschirm gemeinsam mit 30-40 Einheimischen. Was für ein fußballverrücktes Volk. Die Teilnahme an der WM ist ein Muss. Spannend wird es in den beiden restlichen Partien am 10. und 14. Oktober gegen die USA und gegen San Salvador.
Zum Höhepunkt unserer Reise gestaltete sich der 15.September. Tag der Unabhängigkeit in San Pedro Sula. Die Stadt
hat inzwischen fast 800.000 Einwohner. Auf dem Programm stand eigentlich ein Vorbeimarsch von Angehörigen öffentlicher Einrichtungen, verbunden mit Musikkapellen und Folklore-Tachtengruppen sowie eine Militärparade im „Reichenviertel“. Man muss wissen, dass auch diese Stadt in dem Kontrast von armen und reichen „barrios“ lebt. Aber offensichtlich gestaltete sich dann alles anders. Das offizielle Programm fand im stadtgrößten Stadion weit entfernt vom Zentrum statt. die Militärparade wurden entgegen sonstiger Gepflogenheiten nur in Tegucigalpa durchgeführt. Dafür überflogen uns zweimal 3 Düsenjäger im Tiefflug, was großes Gelächter und Gejohle auslöste. Schon am Vorabend bekamen wir eine Ahnung davon, was an diesem 15. September abgehen würde. Eine ganze Reihe wohlorganisierter friedlicher Großdemonstrationen gegen die „Putschistenregierung“ unter dem Motto „Widerstand“ für eine schnelle Rückkehr des rechtmäßigen Präsidenten Zelaya in sein Amt. Alle zwischen 10:00 und 17:00 Uhr bei 35°-40°C auf dem Zentralpark im Zentrum der Stadt endend. Es lässt sich schwer schätzen. Man meinte, dass insgesamt über 30.000 Menschen teilgenommen hatten. Und das alles friedlich. Übrigens mit Aktionen, Sprüchen Liedern der phantasiereichsten Art. Zu dieser Zeit hielt sich Zelaya noch im Ausland auf. Erst 4 Tage nach unserer Abreise war er bekanntlich nach Honduras zurückgekehrt. Ein für diese Zeit häufig gebrauchtes Wort war das auf den Chef der
Putsch-Regierung gemünzte „Pinochetti“. Ja, man kann unseres Erachtens nicht sagen, dass die Situation in Honduras ferngesteuert ist und dass mehr als 200 Regierungen der Welt sich ein falsches Bild von dem Land machen. Hier hat eine kleines Machtzentrum so einfach mal in der Tat geputscht. Das darf nicht Schule machen. Wir hörten oft, dass es Wahlen geben muss, um die Staatskrise abzuwenden. Aber faire sind zum 29. November nicht möglich. Man schätzt, dass 70 % der Bevölkerung diese Junta nicht wollen. Möge diesem wunderschönen Land Friede beschert sein. Dann müssten allerdings die Medienmonopolisten die Macht teilen und eine faire Berichterstattung ermöglichen. Ansonsten vermitteln diese 10 Großdynastien oder Superoligarchen der Welt den Eindruck, dass hier wieder „alles Banane“ ist. Wir möchten gern noch einmal wiederkommen, um zu sehen, wie die Kreativkräfte dann doch noch das Ruder herumgerissen haben. Am Rande: Wenn Sie nach SP Sula kommen, dann versuchen Sie es vielleicht mal mit dem kleinen gemütlichen Hotel „Casa del Arbol“. Jetzt auch ein Ökohotel. Allerdings nur mit Frühstück. Es lohnt sich.
Mit freundlichen Grüßen Marion und Günther Mellmann
Manuela Kaes am 18. Oktober 2009 in Honduras, Reiseberichte
