Lateinamerika-Blog by Miller Reisen

Reisebericht Kolumbien / Reisebaustein NUQUÍ

Am 21.08.2009 war es dann endlich soweit. Ein langersehnter Traum wurde war. Wir flogen für einige Tage an die kolumbianische Pazifikküste in das verträumte Nest Nuquí um dort in völliger Abgeschiedenheit den Küstenurwald zu entdecken bzw. Wale zu beobachten.

AmStand Morgen fuhren wir zum nationalen Flughafen von Medellin. Dort wartete bereits eine kleine Propellermaschine der Fluggesellschaft Satena. Insgesamt stiegen 15 Personen in den kleinen Flieger. Sitzplätze wurden nicht lt. Bordkarte eingenommen, sondern nach Reihenfolge des Einstiegs. Da der Einstieg sich am hinteren Ende des Flugzeugs befand, saßen die ersten Passagiere entsprechend in der ersten Sitzreihe und die zuletzt zugestiegenen, das waren wir, in der letzten Sitzreihe.

Der Flug selbst war sehr beeindruckend und von vielen Turbulenzen geprägt, da wir in Richtung eines der regenreichsten Gebiete der Erde flogen (entsprechend viele Gewitterzellen, die umflogen bzw. durchflogen werden mussten). Während des ca. einstündigen Fluges änderte sich das Landschaftsbild extrem. Es begann mit mit einer beeindruckenden Aussicht auf die Millionenstadt Medellin, gefolgt von dichtem Regenwald durchzogen mit „braunen Adern“ (Flüsse), bis hin zum Landeanflug mit Blick auf die weite Bucht von Nuqui.

Endlose dunkle Sandstrände an mit tausenden von Palmen prägen das Bild dieser Bilderbuchlandschaft am Pazifik. Hierhin zieht es alljährlich zwischen Juni und Oktober Buckelwale aus der Antarktis, um sich in den warmen Gewässern fortzupflanzen und ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. Ein „Treffen“ eben mit diesen bis fast 20 m langen Meeresriesen stand schon immer ganz oben auf unserer Wunschliste. Nach der Landung auf dem sehr kleinen, dörflichenJungs auf Boot Flughafen öffnete sich die Bordtür und es erschlug uns fast, so heiß und feuchte Luft strömte sofort hinein, noch nicht ganz aus dem Flugzeug, da waren wir auch schon nass geschwitzt! Wir erledigten die Einreiseformalitäten an einer Holztheke, auf einer herkömmlichen „Marktwaage“ wurden gleichzeitig die Gepäckstücke derjenigen gewogen, die mit dem gleichen Flugzeug wieder zurück „in die Zivilisation“ flogen. Vor dem Flughafen trafen wir dann auf Fidel, einen Angestellten der Eco-Lodge, welche für die nächsten drei Nächte unsere Unterkunft darstellte. Wir liefen ca. 200 m bei brütender Hitze bis zum Fluss, welche die Lebensader des Dorfes darstellte, jedoch zu dem Zeitpunkt Niedrigwasser führte, da in der Bucht von Nuqui die Gezeiten stark ausgrägt sind. Wir bestiegen mit zwei weiteren Gästen der Lodge das Boot und fuhren Richtung Flussmündung in den Pazifik vorbei an Holzverschlägen und auf Stelzen gebauten sehr einfachen Holzhäusern, Bis zu einem Militärkontrollpunkt, wo wir unsere Passdaten erneut abgeben mussten. Danach erreichten wir endlich das Meer und fuhren mit relativ hoher Geschwindigkeit Richtung Süden immer der Küste entlang zur Eco-Lodge „El Cantil“. Nach ca. 30 min schrie der Bootführer auf einmal „Ballena!“ und direkt rechter Hand vor uns erhob sich der erste Buckelwal aus dem Meer, ein sehr emotionaler Moment für alle Beteiligten. Allerdings verschwand er auch genauso schnell, wie er gekommen war und tauchte wieder ab und ward nicht wieder gesehen.

KolumbienNach weiteren 15 min Bootsfahrt erreichten wir die Lodge. Bereits an der Bootsanlegestelle erwartete uns eine Mitarbeiterin mit dem „Hauptgetränk“ der kommenden Tage, einer „Limonada natural“, genau das Richtige Getränk in diesem feuchtheißen Klima. Wir bezogen unseren Bungalow, natürlich aufgrund der einsamen Lage recht einfach ausgestattet, aber sauber und absolut passend zur Umgebung, Moskito-Netze, DU/WC, alles vorhanden. Die Lodge liegt alleine in einer kleinen „Traumbucht“, alles geprägt vom Meer, tropischer Vegetation und Einsamkeit, der einzige „Lärm“ war das Rauschen des Meeres, ein Paradies, ein Ort wo man absolut abschalten konnte. Die Hängematte auf der Terrasse wurde sofort Ort eines ersten Nickerchens. Später nach dem Mittagessen (es kochten immer drei liebe einheimische Mamis für die Gäste verschiedene Gerichte mit allem was die Umgebung und das Meer hergab) unternahmen wir eine erste Urwaldwanderung zum Wasserfall der Verliebten, ein Bad im Naturschwimmbecken war die perfekte Erfrischung nach der Wanderung. Unser Führer Tello führte uns sicher durch „seinen Urwald“ und gab viele interessante Informationen. Am Abend gab es dann im hochgelegenen „baumhausähnlichen“ Restaurant dann entsprechend wieder einfaches aber sein schmackhaftes Essen der drei Mamis und alle lauschten den Urwaldgeräuschen die sich boten und bestaunten die Wale in der Bucht. Absolut traumhaft!

Am nächsten Morgen erwartete uns unsere erste richtige Bootsausfahrt zum „Wale-Watching“ . Und als ob die WaleWal es wussten, waren zwei große Exemplare bereits nach wenigen Minuten bei uns. Wir folgten ihnen mit unserm Boot.  Unzählige Male kamen sie an die Oberfläche um zu Atmen. Wir kamen bis auf wenige Meter an sie heran. Wir folgten Ihnen mit unserem kleinen aber schnellen Boot bis Cabo Corrientes, der westlichsten Spitze des kolumbianischen Festlandes, gleichzeitig Südrand der Bucht, dann waren sie verschwunden, so dachten wir. Wir passierten und umkreisten viele Felseninseln, Niststätten verschiedener Kormoranarten sowie Tölpel, u.a. auch Blaufußtölpel, welche man ansonsten vom Galápagos-Archipel kennt.

Plötzlich, ganz unerwartet, tauchte eine Walmutter mit Ihrem Neugeborenen knapp 5 m rechts vom Boot auf, die riesige Schwanzflosse zeigte sich uns in voller Pracht aus nächster Nähe, was für ein Moment! Später hatten wir die Möglichkeit im offenen Ozean zu baden. Unter Wasser konnte man die Gesänge der Wale hören, das kannten wir bislang nur aus dem Fernsehen. 

Den Nachmittag verbrachten wir mit Spazierengehen an den absolut unberührten Traumbuchten, welche durch kurze Spaziergänge entweder durch den umliegenden Urwald (bei Flut) oder direkt am Meer entlang (bei Ebbe) zu erreichen sind. Ein traumhafter Sonnenuntergang beendete diesen schönen Tag.

Wal KolumbienAm nächsten Morgen wanderten wir Richtung „Termales“ ein kleines Dorf, völlig abgeschieden von der Außenwelt, zumindest empfanden wir es so. Die Wanderung führte entlang eines Strandes, wie wir ihn noch nie gesehen haben. Breit, dunkel, hohe Wellen mit starker Gicht und kein einziges Haus, geschweige denn Mensch am Strand. Aus den dichtbewachsenen Palmenhainen strömten immer wieder kleine und große Süßwasserbäche durch sich stetig ändernde Flußbetten durch den Sand ins Meer. In Termales empfingen uns die schwarzen Einwohner sehr freundlich, viele Kinder scharten sich schnell um uns und ließen sich anstandslos fotografieren. Diese Wanderung bot eine unglaublich große Vielfalt an Fotomotiven. Der Ort Termales war zudem die Heimat von Tello und er stellte uns stolz sein Frau und süße Tochter vor, ebenso zeigte er uns sein neues Haus.  Nachdem wir die Termalquelle, welche dem Ort den Namen gab, erreichten, badeten wir in dem stark schwefelhaltigen Wasser. Wer wollte, konnte auch durch einen Fluß bergauf und durch eine von großen Fledermäusen bewohnte Höhle wandern. Alles nur in Badesachen versteht sich. Auch dieses außergewöhnliche Abenteuer nahmen wir mit.  Am Nachmittag erwartet uns die zweite „Wale-Watching“-Tour.  So viel Glück wir am Vortag hatten, so wenig hatten wir an diesem Tag, kein einziger Wal weit und breit. Frustriert fuhren wir nach 1,5 Stunden vergeblicher Suche wieder zurück zur Lodge. Aber wir hatten dann kurz vor Ende des Ausfluges doch noch Glück. Wir konnten den seltenen Anblick einen Liebesspieles zweier großer Meeresschildkröten an der Meeresoberfläche bewundern.

Am Abend hatten alle Lodge-Gäste Spaß an verschiedenen Tischspielen, auch die Tier- und Insektenwelt bot einiges, u.a. verschiedene große Heuschrecken und Grashüpfer, Kröten, Frösche, Vögel ect.

Am letzten Tag genossen wir nochmals so richtig die Einsamkeit der umliegenden Strände. Alle anderen Lodge-Gäste hatten einen früheren Rückflug gebucht. Somit hatten wir als einzige einen späten Transfer gegen Mittag. Wir hatten die Lodge bzw. die Strände für uns allein. Das Wetter war hervorragend, an die Hitze hatte man sich längst gewöhnt. Aber auchWal2 Kolumbien wir mussten dann irgendwann einmal „ablegen“ und mit dem Schnellboot von Fidel wieder nach Nuqui zurückfahren. Dann geschah auf dem Boots-Transfer das doch noch völlig Unterwartete: ein Buckelwal „sprang“ mit fast seiner ganzen Körperlänger senkrecht aus dem Wasser! Der „Aufschlag“ auf die Wasseroberfläche war nicht zu überhören, obwohl das Schauspiel einige hundert Meter vor uns stattfand. Leider hat man in so einem Moment natürlich nicht die Kamera parat, da ja u.a. der Vortag so enttäuschend verlief. Das war jedoch der perfekte Abschluss eines berauschenden Naturerlebnisses, welches wir nur jedem empfehlen können! In Nuqui wieder angekommen, trafen wir dann noch die anderen Gäste wieder, deren Flugzeug Verspätung hatte. Wir nutzen die uns verbleibende Zeit, für einen Spaziergang durch den verschlafenen Fischerort. Fidel zeigte uns sämtliche „Sehenswürdigkeiten“ incl.  der Dorfschule. Für uns Europäer ist der Anblick so vieler dunkler Kinder mit strahlenden Augen in Schuluniform etwas Besonderes. Nuqui ist wirklich eine ganz andere Welt, die darauf wartet, entdeckt zu werden. Als unser Flieger dann abhob, waren wir uns einig! WIR KOMMEN WIEDER!!!!