Lateinamerika-Blog by Miller Reisen

Monatsarchiv für März 2009

Paraguay unter dem Präsidenten Lugo – Regieren unter schwierigen Bedingungen

Paraguayische Politiker aus dem Senat und der Regierung besuchen in dieser Woche auf Einladung der KAS das politische Berlin.

Gruppenfoto mit der Delegation aus Paraguay und Mitarbeitern der Konrad Adenauer StiftungIn Paraguay hat sich seit dem Amtsantritt des früheren katholischen Bischofs Fernando Lugo im August 2008 einiges geändert: Er wurde mit großen Erwartungen gewählt, um die fast sechzigjährige Herrschaft der Colorado-Partei zu beenden. Auch sollte er den krassen sozialen Gegensätzen in einem der ärmsten Länder Lateinamerikas ein Ende bereiten. Doch die politischen Rahmenbedingungen sind schwierig: Lugo wurde von einer breiten Allianz aus der traditionellen und starken Liberaldemokratischen Partei (PLRA), kleineren Parteien (u.a. PDC-Christdemokraten) und teilweise sehr linken sozialen Bewegungen getragen. Diese Konstellation aus Politikprofis und Neulingen, die eine große ideologische Bandbreite abdecken, birgt Sprengkraft. Hinzu kommt, dass die Allianz in keiner der beiden Parlamentskammern eine Mehrheit erringen konnte. Um zu regieren, muss Lugo nun Kompromisse machen, seine Allianz zusammenhalten und immer wieder neue Mehrheiten im Abgeordnetenhaus und im Senat suchen. Dazu braucht er immer wieder die Unterstützung von Teilen der Colorado-Partei im Kongress.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat nun eine Delegation eingeladen, die Politikmechanismen im Berlin der großen Koalition kennen zu lernen. Die Teilnehmer haben Gesprächstermine im Bundestag, Kanzleramt, Auswärtigen Amt, aber auch im Bundesland Brandenburg . Außerdem werden die Gäste Gespräche zu den deutsch-paraguayischen Beziehungen und zur deutschen Lateinamerika-Politik führen. Teilnehmer sind aus Präsident Lugos Allianz ein Senator der Liberalen Partei, einer der Bürgerbewegung Tekojoja sowie der Regierungssprecher. Außerdem gehört die Senatorin und neue Vorsitzenden der Colorado-Partei und ein Senator der noch jungen christdemokratisch orientierten Partei Patria Querida zur Delegation.

Diesen Artikel kann man im Original auch hier nachlesen:

Peter Fischer-Bollin, Veranstaltungsbeiträge, Berlin, 2. März 2009
Hrsg.: Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

Eine Reise mit der Bahn in Ecuador

Noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts wurde die Bahnstrecke zwischen der ecuadorianischen Küste und den Anden bejubelt und bei der Einweihung 1908 lange gefeiert. Nachdem vor mehr als 30 Jahren der Betrieb, der angeblich schwierigsten Bahnstrecke der Welt, eingestellt wurde, gibt es für viele Bahnbegeisterte, aber auch für Nostalgiker Grund zum Optimismus. Nach enormem Aufwand und Investitionen in zweistelliger Millionensumme, soll die ursprüngliche Bahnstrecke Ende März teilweise wieder eröffnet werden. Der erste Abschnitt, dessen Eröffnung in naher Zukunft, neben den schon vorhandenen Highlights des Landes, eine weitere Touristenattraktion bieten wird, ist die Strecke Quito – El Boliche (Cotopaxi). Kurz darauf ist dann auch die Eröffnung der Strecke El Boliche – Latacunga und Ende des Jahres sogar die Restaurierung der kompletten Strecke von Quito nach Riobamba geplant, von wo auch heute schon der Zug Richtung Teufelsnase startet.

teufelsnasen_zugIch selbst bin schon mehrere Male auf der abenteuerlichen Strecke durch die Anden gefahren. Bis vor gut einem Jahr war das noch auf dem Dach sitzend, mit Kissen und warmen Getränken ausgestattet, möglich. In der Zwischenzeit ist die ecuadorianische Regierung zu dem Schluss gekommen, dass dies vielleicht nicht die sicherste Variante ist, Gäste zu befördern. Vor allem wenn man bedenkt, dass der Zug nicht selten auch entgleist. Dennoch war die Fahrt natürlich immer spannend, da man einen tollen Panoramablick vom Dach auf die Landschaft hatte. Aber auch vom Zugabteil aus, kann man die Fahrt in vollen Zügen und sicher auch komfortabler und in wesentlich wärmerer Umgebung genießen. Alleine schon die Fahrt zur Teufelsnase ist aber eine Reise wert. Vom Zug aus hat man darüber hinaus immer den schneebedeckten Chimborazo im Blickfeld. Wer gerne auf dem Dach des Zuges reist, für den gibt es einen privaten Schienenbus (siehe Bild anbei).

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